AVD Hybrid ist seit 1. September 2026 allgemein verfügbar. Aber: kein Multi-Session, ca. 10 EUR/User/Monat Service Fee, plus eigene Infrastrukturkosten. Wann lohnt es sich – und wann ist Cloud-AVD die bessere Wahl?
Was ist Azure Virtual Desktop Hybrid – und was nicht
Seit 1. September 2026 ist Azure Virtual Desktop Hybrid offiziell in General Availability. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Unternehmen, die ihre bestehende On-Premises-Infrastruktur behalten wollen, können Azure Virtual Desktop nutzen – mit dem Azure-Portal als Verwaltungsebene, aber mit Session Hosts im eigenen Rechenzentrum auf dem eigenen Hypervisor (VMware vSphere, Hyper-V, Nutanix AHV).
Das klingt zunächst nach dem lang erhofften besten beider Welten. Die Realität ist differenzierter.
Die wichtigste Einschränkung: kein Windows 11 Multi-Session
Die bedeutendste technische Einschränkung von AVD Hybrid: Windows 11 Multi-Session wird nicht unterstützt. Das ist entscheidend, weil Multi-Session – also mehrere gleichzeitige Benutzer auf einer einzigen VM – der Hauptkostenvorteil von klassischem Azure Virtual Desktop gegenüber Citrix war.
AVD Hybrid unterstützt:
- Windows 11 Enterprise Single-Session (ein User, eine VM)
- Windows 10 Enterprise Single-Session
- Windows Server 2016, 2019, 2022, 2025 (RDS CAL erforderlich)
Wer also hoffte, Citrix XenApp mit AVD Hybrid On-Premises zu ersetzen und dabei denselben Kostenvorteil durch User-Dichte zu erzielen wie bei Cloud-AVD, wird enttäuscht. Single-Session heißt: eine VM pro User – das ist weder günstig noch effizient.
Was AVD Hybrid kostet – konkrete Zahlen
Microsoft kommuniziert die Preise nicht prominent, aber sie sind bekannt: Die Azure Virtual Desktop Hybrid Service Fee beträgt:
Der empfohlene Verkaufspreis (UVP) liegt bei ca. 10 EUR/User/Monat.
Das ist nur die Microsoft-Servicegebühr. Dazu kommen:
- Eigene Infrastrukturkosten: Server, Hypervisor-Lizenzen, Storage, Netzwerk, Strom, Kühlung, Wartung
- Windows-Lizenzen: Microsoft 365 Business Premium oder Windows Enterprise E3/E5 (für Single-Session)
- Verwaltungsaufwand: Die VM-Provisionierung, das Powermanagement und Autoscaling übernimmt Microsoft nicht – das bleibt beim Kunden
Realistisch gerechnet: ca. 10 EUR Servicegebühr + 5–15 EUR On-Prem-Infrastruktur pro User/Monat = 15–25 EUR/User/Monat je nach vorhandener Hardware und Abschreibungsstand.
Vergleich der drei Optionen
Um zu verstehen wann welche Lösung Sinn macht, hilft ein direkter Vergleich:
Cloud-AVD mit Windows 11 Multi-Session (empfohlen für Citrix-Ablösung):
Lizenz ist in Microsoft 365 Business Premium enthalten (BYOL). Azure-Infrastrukturkosten bei typischer Nutzung (8h/Tag, 22 Arbeitstage): ca. 1–4 EUR/User/Monat mit Multi-Session (mehrere User teilen eine VM). Autoscaling, Powermanagement und Provisionierung vollständig durch Azure. Günstigste Option für Teams ab 5 Usern.
AVD Hybrid On-Premises:
ca. 10 EUR/User/Monat Servicegebühr + eigene Infrastruktur. Kein Multi-Session. Keine automatische VM-Verwaltung durch Microsoft. Sinnvoll für: regulierte Branchen, Datensouveränitätspflichten, bestehende Hardware-Investitionen, Unternehmen die schrittweise in die Cloud wechseln wollen.
Windows 365 Cloud PC:
Fixer Preis ab ca. 28 EUR/User/Monat (2 vCPU / 4 GB / 128 GB). Dedizierter Cloud-PC pro User, vollständig durch Microsoft verwaltet. Keine Azure-Kenntnisse nötig. Teuerste Option, aber einfachste Verwaltung. Ideal für Außendienst, Geschäftsführung, spezialisierte Einzelanwender.
Wann Citrix wirklich günstiger ist als AVD Hybrid
Die ehrliche Antwort: Fast nie. Citrix-Lizenzkosten (XenApp, CVAD) liegen im Subscription-Modell bei 15–35 EUR/User/Monat – und explodieren seit der Broadcom-Übernahme weiter. AVD Hybrid ist verglichen mit Citrix-Lizenzen allein günstiger. Aber verglichen mit Cloud-AVD ist AVD Hybrid teurer und weniger leistungsfähig.
Die Kostenfrage stellt sich also so: Wenn ein Unternehmen aus Compliance-Gründen nicht in die Cloud kann, ist AVD Hybrid eine attraktive Alternative zu Citrix. Wenn ein Unternehmen in die Cloud kann, ist klassisches AVD mit Multi-Session die deutlich günstigere und leistungsfähigere Wahl.
Unser Fazit und Empfehlung
AVD Hybrid ist ein sinnvolles Produkt für eine spezifische Zielgruppe: Unternehmen mit klaren On-Prem-Anforderungen, bestehender Hypervisor-Infrastruktur und dem Wunsch, die Komplexität von Citrix loszuwerden ohne alles auf einmal zu ändern. Für Industriebetriebe (Produktion, Fertigung) mit Datensouveränitätspflichten ist es ein echter Fortschritt.
Für die Mehrheit der KMU in Vorarlberg und Umgebung bleibt Cloud-AVD mit Windows 11 Multi-Session die überlegene Wahl – günstiger, automatisch skalierend, kein Server-Overhead. Der Wechsel von Citrix auf Cloud-AVD ist für die meisten Anwendungsfälle technisch problemlos umsetzbar.
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Ing. Sandro Haidenschuster, MBA
Gründer & Geschäftsführer, Cloudschmiede GmbH
15+ Jahre Erfahrung in Cloud-Technologien und Microsoft 365.